Vom Bambusrohr zur rumänischen
Panflöte
Ethnologiearbeit von
Eliane Häfliger. Nach einer Anleitung von Michael Dinner.
Einführungskurs in Ergologie und Kunst SS 2002 bei Paola von Wyss-Giacosa.
Die Werkstatt von Michael Dinner
ist ein kleiner, gemütlicher Raum. An einer Wand hat er eine Vorarbeit
geleistet: Die Bambusrohre sind in einem Regal mit mehreren Unterteilungen
den Durchmessern nach geordnet und eingereiht. Einige Werkzeuge sind an
verschiedenen Tischen installiert. Alles steht fein säuberlich bereit,
nun geht's an die Arbeit.

Die grösste Schwierigkeit
beim Bau ist das Erlesen der 22 chinesischen oder taiwanischen Bambusrohren. Die Wahl der Rohre entscheidet zu einem grossen Teil über den
Klang des Instruments (dünnwandig / dickwandig / oval / rund). Der
Bambus sollte möglichst alt und trocken sein.
Stimmt der Innendurchmesser jedes entsprechenden Tones, so klingt eine
rumänische Panflöte optimal. Bei zu grossen Rohren braucht man
für einen guten Ton mehr Luft. Bei zu kleinen überschlägt
sich der Ton beim kräftigem Spielen, oder er wird sehr "giftig".Oft
werden solche Instrumente als Anfängerflöten angeboten, die
in der Startphase bei Kindernsinnvoll sein können, da mit weniger
"Power" gespielt werden kann. Nun ist die wichtigste Arbeit
und schon beinahe die Hälfte des Produktionsvorgangs getan! |
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Als nächstes werden
die Bambusrohre in entsprechender Länge geschnitten und von innen gereinigt und poliert.
Der Bambus wächst
von Natur aus konisch. Mit Fingerspitzengefühl entfernt er
das Mark des Bambus, ohne die Oberfläche zu verletzen. |
Da die Rohre nicht ausgebohrt
werden, bleibt die natürliche konische Form erhalten. Daraus resultiert
eine beeindruckende Dynamik und Klangeigenschaft. Es sei denn, der Konus
verläuft richtig!
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Aus ästhetischen
Gründen wird jedes einzelne Bambusrohr geschält. Beim Schälen
wird die Aussenhaut abgezogen - nicht geschliffen, da sonst die Fasern
unterbrochen würden, das Holz verletzt würde. |
Würde man die Rohre einfach
aneinander leimen, so würden die einzelnen Rohre zu weit von den
benachbarten Rohren entfernt liegen. Ziel ist nun, an der Leimstelle zweier
Rohre die Dicke der Wandstärke der entsprechenden Rohre zu erlangen
- je nach Wandstärke der Bambusrohre auch weniger. |
| Damian Luca,
der König der Panflöte, sagt: "Eine "Alt"-
Panflöte (Tonumfang von 3 Oktaven) sollte eine Breite von 31
bis 33 cm aufweisen. Breitere Flöten erfordern viel mehr Arbeit
beim spielen, da viel grössere Wege gemacht werden müssen."
Die Rohre nun im richtigen Winkel flach schleifen, erfordet
viel Präzision. |
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| Auf einer
Schablone werden nun die Rohre verleimt. Dinner verwendet dazu Knochenleim,
so wie übrigens Geigen im 18. Jahrhundert verleimt wurden. Die
Auswahl des Leimes ist sehr wichtig und bleibt deshalb oft ein Geheimnis. |
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Nun werden die Rohre verschlossen.
Die Luftsäulen haben alle eine bestimmte Länge. Ein leichtes
Material wie Kork, Rundholz-Zapfen oder Balsaholz wird am unteren Ende
der Rohre eingelegt. Darauf wird im späteren Schritt des Stimmens
die Stimmmasse aufgedrückt. |
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Wenn der
Leim trocken ist, wird die Panflöte in ihre Form geschnitten.
Mit einer Schablone markiert Dinner die Stelle, an welcher das überschüssiges
Holz mit der Bandsäge abgesägt wird. |
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Der nächste
Schritt dient der Ästhetik. Je nach Wunsch des Kunden, wird der
untere Abschluss der Panflöte der Fuss (auch Sohle oder Schuh
genannt) gestaltet. Für diesen Abschluss werden diverse Hölzer
verarbeitet. |
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Dinner schneidet
das Holz in der richtigen Form zu und leimt es an die Panflöte.
Nun vergeht wieder ein Tag. Wenn der Leim trocken ist, überprüft
Dinner, ob die Panflöte gerade steht. Andernfalls muss weiter
überflüssiges Holz abgeschliffen werden. Die Sohle wird
also in Form gebracht und die ganze Flöte nochmals gereinigt,
zum Beispiel werden Kratzer entfernt. In Rumänien wird der Steg
traditionell mit feinster Holzschnitzerei versehen. |
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Zum wichtigsten Schritt:
Je nach Schliff des Mundstückes und des Labiums wird der gewünscht
Klang erreicht. Die verschiedenen Klangfarben sind also nicht nur
von der Beschaffenheit der Rohre, sondern auch von der Form des
Mundstückes abhängig.
"Die Mundstücke
der Virtuosen Damian Luca, Gheorghe Zamfir oder Simion Stanciu sind
grund verschieden!", erwähnt Dinner |
Nach dem polieren mit
der Stahlwatte, wird mit einem Baumwolltuch ein im Aklohol gelöster
Lack auf den Bambus aufgetragen. Die genaue Mischung beleibt Dinners
Geheimnis. Etwas mit "Schellack" und, dass der Lack nicht
zu hart wird...einige tropfen von speziellem Oel... |
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Beim Stimmen verwendet
Dinner reiner Bienenwachs. Er füllt die Rohre mit Wachs, bis die
Luftsäule die richtige Länge erhält. Die Panflöte ist soweit spielbereit! |
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Jetzt werden nur noch
die Poren verschlossen. Mit Hilfe von Pfeiffenputzern wird wird
u. a. Paraffinöl an den Innenwänden des Bambus aufgetragen.
So werden die Poren des Holzes gesättigt. |
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Dinner empfiehlt, die Panflöte
halbjährlich zu ölen. Denn, sobald sich der Speichel in Schimmel
verwandelt, riechen die Pfeiffen sehr unangenehm.
Dafür gibt er allerding
noch einen anderen Tipp: Das Instrument sollte nach dem Spielen nicht
auf das Mundstück gestellt werden, sondern etwa eine Stunde liegend
ausgetrocknet werden lassen.
Ein neues Instrument ist noch
"verspannt" von den vielen Klemmen und Gummizügen. Jetzt
ist der Musiker gefragt. Durch das spielen werden diese Verspannungen
gelöst und das Instrument klingt immer besser.
So, nun heisst es ausprobieren
und dran beliben. Viel Vergnügen!
Eliane Häfliger
Überarbeitet 8. Juli 2003
von Michael Dinner
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